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Amaru 2.0 the future is now

Man schreibt das Jahr 1988. Olympische Sommerspiele im südkoreanischen Seoul. Revolution über 100 Meter. Nicht weil der Zehnkämpfer Jürgen Hingsen es fertigbringt, drei Fehlstarts zu produzieren. Nein: Ein gewisser Ben Johnson absolviert den Königssprint in damals unglaublich anmutenden 9,79 Sekunden. Gedopt. Den Titel „schnellster Mann der Welt“ erbt Carl Lewis.

Gleiches Jahr, anderer Kontinent. Irgendwo in Afrika. A new sprinter is born. Amaru Reto Schenkel heisst er – als er mit drei Jahren vom armen Togo in die reiche Schweiz kommt. Kaum einer hat auf ihn gewartet, schon gar nicht auf ihn gewettet. Trotzdem macht er sich einen Namen. Zuerst mit dem Mundwerk. Dann mit Taten. Und die Taten, ja, die lassen sich sehen: Aufgewachsen bei einer Adoptivfamilie im Zürcherischen Fehraltorf, wird Amaru mit 15 Jahren erstmals Schweizer Nachwuchsmeister über 80 Meter, mit 16 Jahren doppelt er über 100 Meter nach, mit 17 Jahren gewinnt er am Olympischen Festival der Europäischen Jugend seine erste internationale Medaille über die halbe Bahnrunde, und mit 18 Jahren läuft er über 100 m schon fast allen Landsleuten davon. 10,45 Sekunden – kein Schweizer Junior schaffte die prestigeträchtige Strecke jemals schneller

Amarus Potenzial ist gross. So gross, dass er vom Leichtathletik-Verband Swiss Athletics das Prädikat „World Class Potential“ erhält. Und das nächste Ziel ist bereits gefasst: Der Athlet des LC Zürich will Geschichte schreiben, will zum schnellsten Schweizer aller Zeiten aufsteigen. Amaru kündet eine nationale Sprintrevolution an, bezeichnet sich als „Zukunft des Schweizer Sprints“. Doch dann beginnt sein Motor zu Stocken. Stagnation statt Revolution. Fast wirft er den Bettel hin, stellt sich die Sinnfrage. Mehr als einmal. Aber er beisst sich durch. Quasi im Vorbeigehen hinterlässt er mit den 4x100-m-Staffeln (U20, U23 und Elite) seine Spuren in den Rekordbüchern. Auf Amaru ist Verlass. Selbst in schlechten Zeiten. Zeiten, die den Sprinter menschlich reifen lassen. Persönliche Evolution statt Revolution. Ich-Suche statt Rekord-Jagd.

Nach dem Abschluss der Handelsschule macht sich Amaru auf zu neuen Ufern. Er wird Profi, wechselt den Trainer, setzt im Hinblick auf die Heim-EM 2014 im Zürcher Letzigrund alles auf den Sport. Die Mittel sind bescheiden, der Hunger unbändig. 2011 der grosse Durchbruch: 10,19 Sekunden. Zweitschnellste je von einem Schweizer erzielte Zeit. Mit WINFORCE. Dazu 20,51 über die doppelte Distanz.

Amaru ist zurück. Zurück im Geschwindigkeitsrausch. Als erster und einziger Schweizer startet er an der WM in drei Disziplinen (100 m, 200 m und 4x100 m). Die Durststrecke ist beendet – die Revolution noch nicht. Manche sprechen von „Auferstehung“, „Comeback“, „Wiedergeburt“. Vielleicht handelt es sich auch um eine Art „Release“. Amaru hingegen versucht bloss, sein Wort zu halten. Die Zukunft hat schliesslich erst begonnen. 

Steckbrief
Name:  Amaru Reto Schenkel
Geburtsjahr:  1988
Wohnort:  Zürich
Beruf:  Leichtathlet
Hobbies:  Kochen, Lesen

Amaru Schenkel Kids

Amaru Schenkel

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